Fragen an Harald Lesch

Hier gibt es die Fragen aus dem Fanclub, die ich an Harald weitergeleitet habe, und die er mir dann beantwortet. Danke hierfür, und nun die Fragen & Antworten.
(FC = Fanclub, HL = Harald Lesch)

FC: Wie lange läuft Abenteuer Forschung noch?
HL: Solange es genügend Zuschauer gibt. Da ist hoffentlich kein Ende in Sicht.

FC: Welche Alpha Centauri Fragen würden Sie am liebsten heute noch einmal oder anders beantworten?
HL: Ich bin mit allen Folgen zufrieden, auch mit den Versprechern.

FC: Welche Themen sind seit dem Ende der AC-Serie aufgekommen, über die Sie gerne mit den Zuschauern reden würden?
HL: Naja, Stringtheorien, Paralleluniversen, neues zu extrasolaren Planeten, die Schwierigkeiten mit dem LHC in Genf, der Klimawandel, etc...

FC: An welchem Projekt arbeiten sie zurzeit? 
HL: Ich beschäftige mich ziemlich intensiv mit der sog. primordialen Nukleosynthese, d.h. mit der Entstehung der Elemente Wasserstoff und Helium in den ersten drei Minuten des Universums.
Mein anderes "Steckenpferd" sind und bleiben die kosmischen Magnetfelder, insbesondere die galaktischen Magnetfelder.

FC: Abgesehen von „War die Mondlandung wirklich echt?“, was war die dümmste Frage die Ihnen bis jetzt gestellt wurde?
HL: Ob das mit der Astrologie nicht doch "irgendwie" stimmt.

FC: Betreiben sie Ihre Berufe (Professor, Astrophysiker) anders, weil sie in der Öffentlichkeit stehen, abgesehen vom Zeitfaktor?
HL: Nö, das macht für mich keinen Unterschied. Ich bin vor der Kamera genauso wie ohne Kamera.

FC: Hätten sie dieselbe Freude an der Astrophysik wenn Sie sie im Hinterzimmer betreiben würden, ganz ohne Öffentlichkeit oder Studenten?
HL: Ohne Studenten wäre das nix, aber ohne Öffentlichkeit arbeite ich ja meistens. 90% meiner Zeit bin ich einfach nur Hochschullehrer und Forscher und sonst nix.

FC:Was war ihr persönlich spektakulärster Moment während ihrer Forschungen?
HL: Forschung ist eher ein langer ruhiger Fluss, ohne große Aufreger. Was einfach immer toll ist, wenn man den Eindruck hat wieder etwas mehr verstanden zu haben.

FC: Wenn Sie die Möglichkeit hätten ein (astronomisches) Objekt ganz aus der Nähe zu studieren, welches wäre das?
HL: Einen anderen belebten Planeten.

FC: Bei welcher wissenschaftlichen Entdeckung der letzten 92 Jahre wären Sie gern hautnah dabei gewesen, und was welche halten Sie für die Wichtigste? (92 Jahre, weil dann die ART und SRT rausfallen).
HL: Als Werner Heisenberg seine Unbestimmtheitsrelation entdeckt hat.

FC: Gibt es für Sie einen Lieblingswissenschaftler, mit dem Sie am liebsten mal in einem Labor, oder einem Restaurant alá „Lesch&Co“ etwas Zeit verbringen würden? (ja, derzeit schon verblichene zählen auch) 
HL: Wolfgang Pauli, ihn halte ich für einen der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Er war sehr mutig und hatte einen unglaubliche "Riecher". Er hat mit seinem Pauli-Prinzip und den Neutrinos einfach grandiose Entdeckungen und Vorhersagen gemacht.

FC: Was würden Sie die Clubmitglieder gerne fragen, außer „seid ihr noch ganz dicht“?
HL: Keine Ahnung, ich müsste den Clubmitgliedern gegenüber sitzen, dann würde ich als erstes danach fragen, was die denn so machen. Aber nach der "Dichtigkeit" würde ich sie sicher nicht fragen.

FC: Macht es Sinn, wenn man unseren Atommüll mit Raketen in die Sonne schiessen würde?
HL: Viel zu gefährlich, keine Rakete ist wirklich sicher genug um tonnenweise hochradioaktiven Abfall ins All zu transportieren. Und selbst wenn so ein Ding im Weltraum wäre, wäre es immer noch viel zu unfallgefährdet.

FC: Ist der Kaffe in der orangen Tasse bei Lesch´s Kosmos 1. echt und 2. koffeinfrei und 3. welche Marke?
HL: Kaffee ist echt, meistens Dallmaier Prodomo (mit Koffein natürlich)

FC: Mit welcher Geschwindigkeit werden Gravitationsänderungen mitgeteilt, also praktisch "Wie schnell ist Gravitation?"
HL: Lichtgeschwindigkeit, so sagen es die Messungen der Binärpulsare, die durch Gravitationswellen abgebremst wurden und so sagt es die Allgemeine Relativitätstheorie.

FC: Warum ist das Studio ihres "Lechs Kosmos" so weiß, obwohl der Kosmos doch schwarz ist? Und warum ist die Tür nie abgeschlossen?
HL: Weiß, weil es sehr gut aussieht. Warum die Tür offen ist? Gute Frage, nächste Frage.

FC: Kann man radioaktiven Abfall in einer heißen Fusion unschädlich machen?
HL: Das Verfahren heisst Transmutation und wird in Zukunft erst einmal erforscht werden. Dazu wird in Belgien eine große Anlage gebaut (Myra, oder so ähnlich). Unschädlich wird der Abfall nicht, nur werden dabei Isotope erzeugt, die viel schneller zerfallen.

FC: Wie stellt man es am besten an, um Herr Lesch als Professor zu haben?
HL: An der LMU Physik oder der Hochschule für Philosophie Philosphie studieren

FC: Alpha Centauri - Leschs Kosmos: Gibt es etwas, was Sie aus früheren Zeiten vermisst oder was Ihnen heute viel besser gefällt?
HL: Beides hat Spass gemacht oder macht noch Spass. Das Vergnügen ist gleich geblieben.

FC: Es wird ja immer davon gesprochen, dass das Licht eines sehr weit entfernten Objektes z.B. 10 Mrd. Jahre zu uns unterwegs war. Aber: Vor 10 Mrd. Jahren war das Universum ja viel, viel kleiner als heute. Das Licht, das das Objekt damals emitierte, muss uns doch eigentlich schon längst erreicht haben.
HL: Das ist eine wirklich schwierige Frage, deren Antwort ein Kosmologie-Buch füllen würde. Im Moment der Lichtabgabe, war das Universum zwar kleiner, aber es expandiert ja seitdem. Wir sehen diese Strahlung heute ins rote verschoben. In der Tat hat uns ja Strahlung schon immer erreicht, nur wir betrieben ja erst seit wenigen Jahrhunderten Astronomie. Hätten wir vor 500 Millionen Jahren den Himmel angeguckt, dann hätte der ganz anders ausgesehen als heute.

FC: Weiß Harald was Neues vom LHC?
Die haben noch nichts gefunden und sind sehr aufgeregt darüber.

FC: Auch wenn Neutrinos, Photonen und sonstiges Zeugs so gut wie keine Masse haben (und im Falle von Neutrinos auch so gut wie keine Wechselwirkung mit Masse haben): Aufgrund der Tatsache, dass seit vielen Milliarden Jahren Sterne strahlen und jeder Stern in jeder Sekunde zig Milliarden solcher Teilchen aussendet, könnte man doch meinen, dass diese aberwitzig hohe Zahl, die seit Anbeginn der ersten Sterne 'produziert' wurde, mittlerweile doch einen relevanten Anteil an der Gesamtmasse des Universums angenommen hätte. Wäre auch das eine Möglichkeit, die angeblich 'fehlende' Materie/Energie im All zu erklären ?
HL: Neutrinos sind einfach viel zu leicht, deshalb sind sie auch zu schnell, in der Physik spricht man dann von heißer dunkler Materie, die könnte aber keine kleinen Galaxien entstehen lassen, dafür braucht man kalte dunkle Materie und die muss aus schweren Teilchen ebstehen, die sich sehr langsam (im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit) bewegen.